Stimmen der Kirche 


Papst Franziskus - am 22. Juni 2017

Lassen wir uns von den falschen Weisheiten dieser Welt nicht ablenken, sondern folgen wir allein Jesus, der unserem Leben einen Sinn gibt. 


600 Jahre Bruder Klaus 2017

Sr. Pirmin will uns unseren Landes Heiligen in diesem Jubiläumsjahr etwas näher bringen! Jeden Monat wird sie mit Bildern und Kommentaren uns bereichern. Danke Sr. Pirmin!

Bildrechte Website  - wallfahrt@bruderklaus.com

Informationen zum Gedenkjahr „600 Jahre Niklaus von Flüe“ finden Sie unter www.mehr-ranft.ch

www.bruderklaus.com

 

 


Juli 2017

Dorothea von Flüe - wer war sie?

Seit zwei Jahrzehnten zieht es meinen Mann und mich aus dem Landkreis Altötting in Bayern immer wieder nach Flüeli und in den Ranft. Ein Grund dafür: Bruder Klaus ist der Patron der Katholischen Landvolkbewegung in Deutschland (KLB), in der wir beide mitarbeiten und die für uns eine geistige Heimat ist. Und es fällt auf: 
In den letzten Jahren wird nicht nur im Geburts- und Wohnhaus, sondern bei den Gottesdiensten und Andachten im Ranft oder auch in entfernteren Orten wie beispielsweise in
Stalden immer von Bruder Klaus und Dorothee gesprochen. Mich freut das, denn für mich sind sie zusammen als Ehepaar lebendig und richtungsweisend.

Dorothee stand jahrhundertelang im Schatten ihres Mannes, des grossen Friedensheiligen Bruder Klaus von Flüe. Doch war nicht gerade ihr Ja zur Lebensweise ihres Klaus eine Grundlage für den Segen, der von diesem Leben ausging und ausgeht? 

Wir kennen das grosse und gewiss schmerzlich errungene JA-Wort des Jahres 1467, mit dem sie ihren Mann wegziehen lässt und ihm damit die Brücke baut für einen neuen Lebensweg. 
Sie hat aber nicht nur das eine grosse Ja gesprochen, im Laufe ihres Lebens hat sie viele
Ja’s gesprochen: 

  • Ja zu seinen Ämtern
  • Ja zu seinem Beten und Fasten
  • Ja zu seinem sonderbaren Gebaren, geprägt von den Visionen
  • Ja zum Gerede der Leute 
  • Ja zu seinem Ringen um den Willen Gottes 
  • Ja zu seinem Leben in der Ranft
  • Ja zu einem neuen Miteinander: nach dem Weggang hat sie gelernt, ihrem Manne neu zu begegnen

Über das Leben der Dorothee wissen wir wenig, aus den Aufzeichnungen über Bruder Klaus können aber diese Lebensdaten gefolgert werden:
Dorothee Wyss, Ratsherrentochter aus der
Schwendi über dem Sarner See, heiratet 1446 im Alter von ca. 15 Jahren den um ca. 15 Jahre älteren Nikolaus von der Flüe. Sie gebar fünf Söhne und fünf Töchter, und gab 1467 ihrem Mann das Einverständnis, in die Einsamkeit zu ziehen. Sie besuchte Bruder Klaus im Ranft und versorgte seine Besucher gelegentlich mit Nahrung. Sie war beim Sterben von Bruder Klaus dabei.
In dem 1994 erschienenen Buch von Werner T. Huber sind die schriftlichen Äusserungen über Dorothee zusammengestellt. (Siehe Auszüge aus den frühesten Niederschriften, Seite ...)

Mein Nachfragen bei Schweizer Historikern nach Stellung und Aufgabenbereich einer Bäuerin im 15. Jahrhundert erbrachte erstaunliche Ähnlichkeiten mit unserer Zeit. Denn damals hatte die Frau in Haus, Hof und Familie eine verantwortliche Stellung. Erst in den dazwischenliegenden Jahrhunderten rückten die Frauen in den Schatten der Männer. Anders aber als heute hatten die mittelalterlichen Menschen die Gemeinschaft, die Grossfamilie im Blick, nicht die Einzelperson. Die Lebensweise war kollektiv und nicht individuell gestaltet. 
Aufgabe von Dorothee war es demnach, dem grossen Bauernhaushalt vorzustehen und sich um die Ernährung, die Vorräte, die Kleidung (Flachs!) und die Kindererziehung zu kümmern. Die Söhne kamen ab dem 7. Lebensjahr zum Vater in die Lehre. Der oftmals abwesende Ehemann hinterliess ihr immer wieder einen Teil seiner Aufgaben auf Hof und Feld, solange bis die Söhne alt genug waren.

Aber eigentlich möchte ich Dorothee selbst erzählen lassen!

Wer war sie? - Dorothee Wyss erzählt:

 

"In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde ich geboren als Tochter der Eheleute Wyss und getauft auf den Namen Dorothee. Meine Kindheit und Jugend verlebte ich nahe am Sarner See, geborgen und ohne Hunger zu leiden. Das war nicht selbstverständlich, denn es waren wirre Jahre, immer wieder wurde Krieg geführt, gab es brache, nicht bestellte Felder, Plünderung und Totschlag. Mein Vater erzählte von seinen Ratsgeschäften nicht viel zuhause, aber oft merkte ich es ihm an, dass er litt unter den Entscheidungen und Bedrängnissen. 

Wenn ein Krieg
zuende war, wurde das Leben wieder freier, unbeschwerter, fröhlicher, es gab wieder reichlichere Ernten, Märkte, Reigen und Tanz. 

In solchen Zeiten dankten Mutter und Vater jeden Tag für den Frieden und baten Gott, dass es eine lange Zeit so bleiben möge.

 

Leben auf dem Hof
      Arbeit gab es reichlich auf dem Flüeli-Hof, besonders als wir uns gegen den Rat vieler entschlossen, von der Felderwirtschaft auf die Viehwirtschaft umzustellen. Die Familie wurde immer grösser, vier Buben und fünf Mädchen habe ich geboren. Das Gesinde mehrte sich, denn für die Bereitung der Nahrung, der Vorräte und der Kleidung brauchte ich Hilfe. Nikolaus war viel unterwegs in den Aufgaben seiner Ämter, auf den Almen und auf den Märkten. Und im Krieg! Und wenn er zuhause war, kamen Leute mit ihren Rechtsanliegen; wir haben neben dem Eingang unseres Hauses eine Ratsstube eingerichtet, in dieser konnte er vielen Menschen zu ihren Rechten verhelfen in dieser verworrenen Zeit. Manche warteten bei mir in der Küche, bis Nikolaus heimkam. Wir waren froh, als unsere ältesten Söhne Hans und Walter mitanpackten auf dem Hof.

Denn oft konnte ihr Vater gar nicht arbeiten, wenn er nachhause kam. Bis ins Innerste liess er sich treffen von den Bestechungen, von der Macht des Geldes, von den Ungerechtigkeiten den einfachen Menschen gegenüber, von den Missständen in der Kirche. Obwohl er immer noch mehr betete und fastete, er fühlte eine immer grössere Ohnmacht. Eines Tages legte er alle seine Ämter nieder.
Er erzählte mir von Bildern, die sich ihm auftun und daraus er gerne lesen möchte, was Gott von ihm will. Diese Sprache Gottes war etwas Fremdes für mich, das merkte auch Nikolaus. Und er suchte die Einsamkeit und sprach immer weniger. Er stand auf zum Gebet, wenn wir alle im Bett waren. Oder er ging gleich längere Zeit zur
Melchaa hinunter. Dort wusste ihn niemand und ich fühlte es, dass er mit seinem Gott allein sein will.
Zeit der Unruhe
        Aber ich wusste nicht, wohin sein Weg, unser Weg führte. So von einer Unruhe getrieben, niedergedrückt, wortkarg kann es nicht auf Dauer bleiben. Neunzehn Jahre waren wir jetzt verheiratet, aber so fremd und unnahbar war mein Mann noch nie. Manchmal spürte er meine Sehnsucht, dann bemühte er sich, zu bleiben. Ich war nochmals in guter Hoffnung. Nikolaus aber konnte auch durch dieses keimende Leben in mir keinen inneren Frieden finden. Diese meine Hoffnung erfüllte sich nicht. Ganz im Gegenteil: Er wurde noch unruhiger, noch rastloser, noch leidender. Er sprach von Gottes reinigendem Sporn an ihm. Ich war froh, dass sein Priester-Freund ihn besuchte. Danach ging er allerdings noch öfter und noch länger zur Melchaa hinunter und fastete vier Tage in der Woche ganz. Manchmal sah er aus, als ob er von einem Kampfe käme. Die Kinder fragten mich oft nach dem Vater, die Leute redeten gar viel und ich wusste wenig. Ich spürte nur sein Leiden und seinen Kampf.

Erleichterung und Angst gleichermassen umfing mich, als er mich nach langer Zeit wieder mit meinem Namen ansprach und mir sagte, dass sein Ringen um einen Weg ein Ziel gefunden hat. Er müsse weggehen von uns, von dem Hof, er müsse Gott ganz dienen. Aber er könne nicht gehen ohne mein Ja-Wort. Er müsse mich ein zweites mal darum bitten.
Die Entscheidung
Gerade als wenn er mir es übergeben hätte: Jetzt befiel mich die Niedergedrücktheit, die Unruhe und die Suche nach der richtigen
Entscheidung. Ich fühlte das Glück unserer Ehejahre zerrinnen, ich fühlte noch grössere Einsamkeit, ich haderte mit seinem, mit
meinem Gott, aber ich fühlte, dass mein Nikolaus nicht mehr daheim sein kann. Es treibt ihn weg von uns, manchmal konnte ich
denken: Er treibt ihn weg! Es war eine unwiderstehliche Kraft, der ich mich drein zu geben hatte, sonst würde mein Mann zerbrechen.
Und ich sprach mein Ja.
Die Last einer schweren Entscheidung ist geringer als keine Entscheidung. Nach 20 Ehejahren hat sich Nikolaus am Gallustag von
einem jeden von uns verabschiedet. Nur bekleidet mit einer Leinen-Kutte ging mein Nikolaus als ‘Bruder Klaus’ in Richtung Elsass zu
den ‘Gottesfreunden’.
Viele Fragen wurden mir jetzt gestellt. Und ich traute meinen Ohren nicht, als mein Schwager Peter von unserer Alm kam mit der
Nachricht, Klaus sei dort oben und lässt seinen Priester-Freund rufen, weil er seinen weiteren Weg nicht mehr weiss und weil es ihn
nach nichts mehr zu essen und zu trinken verlange.
Unerhört - nach so langem Ringen wieder die Ratlosigkeit!

Der Platz, Gott zu dienen

 

Vier Strahlen am Himmel sollen ihn in den nahen Ranft schicken. Ein Bretterverschlag soll seine Bleibe sein. Ist das der richtige Platz, an dem er ganz Gott dienen kann?

Ich verstand es nicht - aber es war so.

Bald sahen wir Menschen hinuntersteigen, auch Neugierige waren darunter, die den Mann ohne Speis und Trank sehen wollten. Die Neugierigen wurden weniger, die Ratsuchenden mehr. Die Dorfleute halfen, eine Klause zu bauen und bald eine Kapelle daran.

Ich habe mich am Gallustag von meinem Nikolaus für immer verabschiedet in Erdentagen. Werde ich es wagen, jetzt zu ihm hinunterzusteigen?

Obwohl der Weg zur Ranft kurz ist, für mich war es ein langer Weg, als ich zum erstenmal zu Bruder Klaus hinunterstieg. Ich wagte es, ebenso wie immer mehr Menschen aus nah und fern, seinen Rat zu holen.

In innerem Frieden

Ich bin froh, dass ich es gewagt habe, denn dort unten merkte ich, dass mein Bruder Klaus seinen inneren Frieden gefunden hatte. Wenn im Flüeli oben die Einsamkeit an mir nagte, das Hadern mich überfiel, dann konnte ich jetzt an sein friedvolles Gesicht denken - das Gesicht, das ich zwei lange Jahre ganz anders erlebt hatte. Und ich durfte immer wieder Menschen begegnen, denen er einen Weg gewiesen oder einen Trost gegeben hatte. Manchmal ging ich zur Messe hinunter.

Unsere Söhne haderten viel länger als ich. Sie schlugen auch einen ganz anderen Weg ein als ihr Vater. Sie übernahmen zwar auch politische Ämter, füllten sie aber so aus, wie gar viele in dieser Zeit: Sie erlagen der Versuchung von Bestechung, Korruption und der Macht des Stärkeren.

Manchmal war es zum Zerreissen für mich. Aber der Weg in den Ranft und seine ruhigen, weisenden Worte und das Wissen um sein Gebet liessen mich dies alles ertragen."

Hedwig Beier, Fahnbach 1, D - 84533 Haiming

J      Junges Eheglück

Manchmal sprach mein Vater von dem Flüeli-Bauern, ein junger Mann mit Namen Nikolaus, dem die Gerechtigkeit stark am Herzen lag. Von ihm erhoffte er sich im Rat Stärkung und Unterstützung. Ich kannte ihn nicht, aber ich konnte mir vorstellen, wo sein Hof liegt - auf der Jenseite des Sarner Sees gab es auf der Höhe ein gerodetes Felsplateau; von dem Flüe hatte die Familie ihren Namen. Vater erzählte bewundernd von diesem stattlichen Bauern, der einen geraden Weg suchte und die vielen Ungerechtigkeiten und Bestechungen bekämpfte. 
Ich war ganz aufgewühlt, als ich begriff, dass dieser Nikolaus um mich zu werben begann. Schliesslich war ich ganze 15 Jahre jünger. Und Freude, Stolz und Angst machten sich gleichermassen in mir breit. Freude und Stolz bewegte mein Herz bei der Vorstellung, die Frau eines so stattlichen, redlichen und gläubigen Bauern zu werden. Angst schlich sich zwischen dieses Hochgefühl des Glücks, wenn ich an unseren Altersunterschied, an das grosse Haus und die vielfältigen Aufgaben dachte. Und wenn ich seine innere Kraft spürte! Aber genau diese Kraft zog mich auch zu ihm hin und wir gaben uns das Ja-Wort. 

Ich durfte in sein grosses, neugebautes Haus einziehen. Nikolaus wirtschaftete grosszügig und sparsam zugleich. Es fehlte uns an nichts, er selbst aber lebte karg.

 

Das Ehepaar Niklaus und Dorothee von Flüe 3.5 Niklaus von Flüe ist nach heutiger Auffassung für viele untrennbar mit einem Ärgernis, mit einem Skandal verknüpft. Als er seinen Weg ging, verliess er seine Frau und 10 Kinder. Bemerkenswerterweise ist dieses Verlassen auch auf seinem Grabstein als eine seiner bedeutsamsten Taten vermerkt. Er war es, der verzichtete: auf die Wärme und Geborgenheit der Familie, auf die wirtschaftliche Sicherheit des Hofes und auf die Betreuung der Familiensippe, auf die er als alter Mann Anrecht gehabt hätte. So sahen es seine Zeitgenossen. Doch sein Lebensweg ist ohne das Einverständnis seiner Frau Dorothee Wyss nicht denkbar. Für einen persönlichen Zugang zu Niklaus von Flüe ist es hilfreich, dieses gemeinsame Ringen mit Dorothee als Teil seines Lebensweges zu verstehen. Niklaus war sich bewusst, dass die Zustimmung seiner Frau zu seinem neuen Leben keine Selbstverständlichkeit war. Er betrachtete es als eine von drei grossen Gnaden Gottes, dass er von ihr und von den (ältesten) Kindern die Erlaubnis erhalten habe, ein „einig Wesen“ zu führen. Er hatte ein Ziel, er hatte eine Vision; sie sah die Lücke, sie spürte den Verlust als Ehemann, Partner, Vater und Bauer – und gab dennoch ihr Einverständnis. Für das wirtschaftliche Wohlergehen der Familie waren nun die ältesten Söhne zuständig. Sie waren wahrscheinlich nicht so unglücklich darüber. Er suchte und brauchte aber das Einverständnis seiner Frau, auch für seinen Seelenfrieden. Sie gab ihr Einverständnis, ohne das er nicht in Minne im nahe gelegenen Ranft hätte leben können. Das Volk fand für die Zustimmung von Dorothee Wyss zum neuen Leben ihres Mannes ein eigenes Bild.

 

Sie habe, so die Überlieferung, ihm das Kleid gewoben, das er bei seinem Weggehen getragen habe. Eine sehr schöne Darstellung hat der Künstler Alois Spichtig im Bronzerelief geschaffen, welches Papst Johannes Paul II. zur Erinnerung an seinen Besuch 1984 am Grab von Bruder Klaus überreicht wurde. Die runde Form erinnert an die Einheit der Ehe, die auch beim Abschied von der Familie nicht aufgelöst worden ist. Der Strahl vom Himmel in der Mitte symbolisiert, wie Bruder Klaus und Dorothee auf ihrem unterschiedlichen Weg innerhalb ihrer Ehe durch die göttliche Vorsehung geführt wurden. Dorothee übernimmt mit dem Schlüssel die Verantwortung für Familie, Haus und Hof; Bruder Klaus greift zum Pilgerstab. 2 Auf Grund der eindeutigen Quellenlage ist es heute weitgehend unbestritten, dass Dorothee Wyss einen wichtigen und eigenständigen Anteil an der Entscheidung des Niklaus für sein Einsiedlerleben hatte. Ohne ihr Einverständnis wäre sein Lebensweg nicht möglich gewesen. Aus Anlass des Bruder Klaus-Gedenkjahres lohnt sich die Betrachtung des partnerschaftlichen Weges von Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss:

• Ihr gemeinsamer Weg als Ehegatten und Eltern

• Ihr Ringen bei der schwierigen Entscheidung zu ihrem unterschiedlichen Weg: Er als für Gott und für alle Menschen offener Einsiedler und       sie als für die Familie sorgende Ehefrau und Mutter

• Ihr Lebensabschnitt als räumlich getrennte und in Liebe verbunden gebliebene Eheleute.

 


Heiligsprechung von Mutter Teresa am 5.9.2016

eindrückliches Video von 59 Min. über ein Interview von Mutter Teresa aus Kalkutta  

mit Pater Leo Massburg

Hinter den Kulissen von Mutter Teresa

http://www.kathtv.org/video/1578682.html


die geistigen Werke der Barmherzigkeit 2017

 

  • die Unwissenden lehren
  • den Zweifelnden recht raten
  • die Betrübten trösten
  • die Sünder zurechtweisen
  • die Lästigen geduldig ertragen
  • denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen
  • für die Lebenden und für die Toten beten

sr.pirmin@st-ursula.ch Kloster St. Ursula, 3900 Brig 079 482 94 02

Sr. Pirmins Archiv: Zeugnis, wie Gott sie geheilt hat / Werke der leiblichen Barmherzigkeit von 2016

Sr. Pirmin hat im Jahr der Barmherzigkeit 2016 uns die leiblichen Werke der Barmherzigkeit näher gebracht.

In diesem Jahr, 2017, können wir unsere Herzen anrühren lassen mit den 7 geistigen Werken der Barmherzigkeit.

 

Danke Sr. Pirmin für die schönen, selbstgemalten Bilder und die passenden Texte dazu!


Die Unwissenden lehren

Thomas von Aquin sagte: „Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann, besteht darin, ihn vom Irrtum zur Wahrheit zu führen“.

 

Als geistige Wesen haben wir Durst nach Erkenntnis und Wahrheit. Gerade Eltern und Erziehern ist es aufgetragen, die Kinder und Jugendlichen mit Wissen auszustatten und sie hineinzuführen in die Fertigkeit des Lebens. Sie praktizieren jeden Tag neu dieses Werk der Barmherzigkeit.

Aber wir alle, ob wir es wollen oder nicht, lehren und leiten andere durch unser Wort und Beispiel. Dabei haben wir auch besondere Verantwortung für die Glaubenswahrheit, gerade in einer Zeit, in der die Unwissenheit im Glauben sehr groß ist. Auch viele Getauften verlieren aufgrund der Beschäftigung mit den vergänglichen Dingen die bleibenden aus dem Auge. Umso wichtiger ist es, die Botschaft Christi und die Lehre der Kirche frohen Herzens unverkürzt und unverwässert zu bezeugen. Vielleicht indem wir jemanden eine gute Lektüre empfehlen oder wachsam sind, wo wir etwas von unserem Glauben weitergeben können:

  • in der Familie
  • bei Bekannten
  • Besuchern und Freunden
  • in der Pfarrei

Und wir wollen auch selber immer wieder dieses Werk der Barmherzigkeit empfangen:

  • uns unterweisen lassen und aufmerksam sein, wo Gott uns durch ein Predigtwort oder durch ein Alltagswort etwas mitteilen will

Als geistige Wesen haben wir Durst nach Erkenntnis und Wahrheit. Gerade Eltern und Erziehern ist es aufgetragen, die Kinder und Jugendlichen mit Wissen auszustatten und sie hineinzuführen in die Fertigkeit des Lebens. Sie praktizieren jeden Tag neu dieses Werk der Barmherzigkeit.


Den Zweifelnden recht raten

Guter Rat ist teuer. Es braucht die Erleuchtung von oben, damit nicht “Blinde, Blinde führen”, sondern wirklich Gott den rechten Rat eingeben kann, denn dieser ist eine Gnadengabe des Hl. Geistes.

 

Wer Zweifelnden recht raten will, muss selbst gelehrsam sein und zum Beispiel in der Lektüre des Wortes Gottes, in der Beichte oder im persönlichen Gespräch Rat von anderen annehmen. Das Gebet um den Heiligen Geist und um die Gabe der Unterscheidung ist die Voraussetzung, dass wir anderen ein aufbauendes und wegweisendes Wort mitgeben können. Manchmal können wir zum anderen nur sagen: lass uns darum beten, damit wir Gottes Willen immer besser erkennen. Aber vielleicht kommt uns bei diesem Werk der Barmherzigkeit jemand besonders in den Sinn:

  • wem gegenüber sollte ich dieses Werk ausüben oder von wem sollte ich mich belehren lassen?

Die Betrübten trösten

Jesus hat die Trauernden seliggepriesen: "Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden” (Mt 5,4).

 

Das lateinische Wort für trösten “consolare”, bedeutet, mit jemandem zu sein, der “solo” ist, der “allein” ist. Wir sind nie allein: Gott ist bei uns durch seinen Heiligen Geist, der im Veni Sancte Spiritus der “Consolator optime” der “beste Tröster” genannt wird.

 

Paulus sagt von Gott : “Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden” (2 Kor 1,4).

 

Die Menschen merken es, ob wir ihnen schnell billigen Trost spenden wollen oder ob unsere Zuwendung mit dem eigenen Glauben durchtränkt ist, der selbst schon manche Not bestanden und die tröstende Salbung Gottes erfahren hat. Wenn wir Gott verbunden leben und uns vom Heiligen Geist leiten lassen, dann können wir für andere zum Trost werden und finden auch Worte, die unaufdringlich ermutigen und trösten. Und oft ist ja im Fall der Trauer schon die wortlose Gegenwart Trost für die Trauernden.

Einfach da sein – die Hand geben – still sein.


Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen

Im Evangelium fragt Petrus den Herrn: “Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal” (Mt 18,21-22). Das heißt immer wieder und in jedem Fall, sollen wir vergeben, so wie auch Gott nicht müde wird, uns immer wieder zu vergeben.

 

„Einander vergeben“, ja „einander gerne vergeben“, ist nicht leicht – vor allem, wenn wir eine schwere Beleidigung oder Kränkung erlitten haben. Manche Menschen tragen anderen das Leben lang erlittene Kränkungen nach und werden dabei oft selber krank.

 

Vergebung und Verzeihung bleiben eine lebenslange Herausforderung, die wir manchmal mehr oder weniger spüren und bei der Gott uns helfen muss. Deshalb beten wir auch täglich:

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Hilf uns, dass wir stets neu von Herzen vergeben können.

 

Dabei ist das Herz Jesu unser Zufluchtsort und unsere Quelle, aus der wir die Kraft schöpfen, nicht nur persönlich, sondern auch miteinander immer wieder neu anzufangen und zu verzeihen. Und vielleicht kommt uns jemand in den Sinn, auf den wir einen Schritt zumachen sollten oder dem wir einfach in Gedanken und im Herzen sagen sollen: ich trage Dir das Vergangene nicht nach, es ist geborgen im Herzen Jesu. Je größer unser Glaube an die barmherzige Liebe Gottes ist und wir uns von Gott verzeihen lassen, umso mehr werden wir anderen gegenüber barmherzig sein können.

 

Gottes barmherzige Liebe fließt wie leuchtendes Gold und heilender Balsam über die Wunden, die unsere Sünden geschlagen haben“ (Mutter Julia Verhaeghe).


Die Sünder zurechtweisen

Jesus spricht im Evangelium davon, dass wir gelegentlich andere zurechtweisen sollen: ”Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht…” (Lk 17,3). So sollen sich alle in der Gemeinschaft der Glaubenden füreinander verantwortlich wissen und dafür Sorge tragen, daß sich keiner aus ihrem Kreis über die maßgeblichen Weisungen Jesu hinwegsetzt und dadurch verloren geht. Wenn wir also aus Glauben und Verantwortung füreinander die geschwisterliche Zurechtweisung, üben, dann ist das ein Zeichen, dass die Hirtenliebe Christi in uns lebendig ist.

  • Nun gibt es freilich verschiedene Motivationen, dem Mitmenschen einen Fehler vorzuhalten, nicht selten geschieht es aus Kritiksucht, Groll oder Rechthaberei.Das wäre dann verkehrt!
  • Zurechtweisung fällt nicht leicht, besonders wenn es sich um ältere Personen handelt oder um Menschen, die uns sehr vertraut sind. Sicherlich hätten wir nicht die rechte Haltung, wenn es uns Spaß machen würde, andere zurechtzuweisen oder zu kritisieren.
  • Zurechtweisung sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen.

So hat z.B. auch der hl. Vinzenz von Paul gesagt, dass er dreimal in seinem Leben scharfe Worte gebraucht habe und dabei aber nur Misserfolg hatte. Wenn er aber in Güte gesprochen habe, habe er erreicht, was er erreichen wollte. Kardinal Newman beschreibt solch eine vertrauliche und in Güte vorgebrachte Zurechtweisung mit den Worten: “um das bescheiden zu tun, müssen wir es so freundlich, liebenswürdig und gütig tun als möglich… Wir dürfen die Dinge nicht schlimmer machen, als sie sind, oder unseren ganzen (vielleicht eingebildeten) christlichen Charakter zeigen, wenn wir sozusagen nur eine Hand auszustrecken oder einen flüchtigen Blick zu geben brauchten.”

  •   Aufgepasst - nicht hochmütig sein! Eine sanfte, gütige Zurechtweisung ist auch eine Form gelebter Nächstenliebe.

Die Lästigen geduldig ertragen

… oder wie manchmal auch einfach formuliert wird: Unrecht ertragen. Bei diesem Werk der Barmherzigkeit gibt es, wie der Name schon sagt, gar nicht viel zu tun, es besteht vielmehr im Erdulden. Unsere spontane Reaktion auf Lasten, die wir zu tragen haben, oder auf lästige Menschen, die wir aushalten müssen, ist oft die Klage. Dabei könnten wir uns doch oft auch mit dem Herrn verbinden, diese Situationen bewusst annehmen und sie zu einem geistigen Opfer machen, das anderen zugute kommt.

 

Der große Lehrer des geistlichen Lebens, Franz von Sales, empfiehlt deshalb:

„Klage so wenig wie möglich über das erlittene Unrecht". Gewöhnlich sündigt, wer sich beklagt. Die Eigenliebe lässt uns ja das erlittene Unrecht immer härter empfinden, als es in Wirklichkeit ist. Vor allem beklage dich nicht bei Leuten, die sich leicht aufregen und gleich Schlechtes denken. Wenn du dich schon bei jemand aussprechen musst, damit die erlittene Kränkung wieder gutgemacht werde, oder um dich zu beruhigen, so suche dir dafür besonnene und gottliebende Menschen aus, sonst wird dein Herz nicht erleichtert, sondern noch mehr aufgeregt; statt den Dorn aus deinem Fuß zu ziehen, werden ihn diese Menschen noch tiefer hineinstoßen“.

 

  • (Philothea III,3). Das ist das Buch, das Franz von Sales geschrieben hat. "Alles aus Liebe, nichts aus Zwang" war ein Leitspruch von Franz von Sales.

Für die Lebenden und die Toten beten

So lautet das letzte geistige Werk der Barmherzigkeit. Wir können nicht ermessen, welche Wohltat es ist, dass andere Menschen für uns beten. Und wir selbst wollen anderen diese Wohltat zukommen lassen.

  • Das geschieht oft beim liturgischen Gebet und bei der Hl. Messe.
  • Aber auch im persönlichen Beten können wir gewisse Lebende und Verstorbene besonders vor Augen haben.
  • So können wir auch manchmal am Morgen die gute Meinung machen und die Gebete und Anstrengungen des Tages für den einen oder anderen aufopfern, der es besonders nötig hat.

Und wir wissen, wie froh manche Menschen sind, wenn wir ihnen sagen oder schreiben: ich bete für Sie und Ihre Anliegen; ich schließe Ihren lieben Verstorbenen in mein Gebet ein.

  • Wie oft sage ich den Leuten: Ich bete für sie und dann geht ein Leuchten übers Gesicht! Und dann heisst es für mich, es wirklich zu tun und nicht nur zu versprechen!